Trotz eines Sturzes zu Saisonbeginn wurde der Berner Downhill-Biker, Nick Beer, Schweizer Meister. 2012 will Nick auch im Weltcup für Furore sorgen.
Ciao Nick, Du sitzt auf gepackten Koffern und reist für drei Wochen nach Frankreich. Ferien oder Training?
Von beidem etwas. Ich kombiniere Training mit einem Sprachaufenthalt.
Und wo genau?
In Nizza.
Muss man in der englisch geprägten Downhill-Szene neuerdings auch gut französisch sprechen?
Ja das wär’s noch (lacht laut). Nein, nein, das ist eine ganz privat motivierte Bildungsreise für mich. Ich freu mich drauf.
Mit Frankreich verbindest Du auch weniger freudige Erinnerungen. 2004 bist Du in Les Deux Alpes gestürzt und hast Dich übel verletzt. Denkst du manchmal zurück?
Ja, aber nicht so häufig. Vergessen kann ich den Unfall jedoch nicht. Er war zu einschneidend. Immerhin ging ich ein Jahr lang an Krücken und musste zwei Jahre pausieren.
Heuer bist Du wieder gestürzt. Gut erholt?
Bei einem Weltcup-Rennen im englischen Fort William anfangs Saison stürzte ich in der Qualifikation und brach mir den Radius-Knochen im Handgelenk. Die Verletzung ist inzwischen bestens verheilt. Leider dauerte es aber relativ lange, bis ich meinen Leistungs-Level danach wieder erreichen konnte.
Das heisst, die Saison verlief sportlich nicht nach Wunsch?
Das kann man so sagen (macht kurze Pause). Ich hatte einige Probleme nach der Verletzung und konnte meine gesteckten Ziele deshalb nicht erreichen.
Welcher Art waren die Probleme?
Nicht unbedingt körperlich, eher mental. Sagen wir es so: Ich brauchte länger als erwartet, bis der Kopf nach dem Unfall wieder ganz frei war.
Welches Fazit aus der Saison 2011 ziehst Du für Dich?
Ich habe akzeptieren müssen, dass es sehr schwierig ist, nach einer Verletzung in der gleichen Saison wieder auf einem Top-Niveau zu fahren.
Trotzdem gab es auch sportliche Höhepunkte.
Auf jeden Fall. Beim Weltcup-Auftakt in Pietermaritzburg in Südafrika erreichte ich den sehr guten neunten Rang. Und dazu konnte ich meinen Schweizer-Meister-Titel erfolgreich verteidigen.
«Ich habe akzeptieren müssen, dass es sehr schwierig ist, nach einer Verletzung in der gleichen Saison wieder auf einem Top-Niveau zu fahren.»
National kommt Dir bergab keiner nach. An der WM in Champéry bist du 28. geworden. Was fehlt für den Vorstoss an die Weltspitze?
Der Renntag in Champéry war leider total verregnet, so dass der Lauf zu einer Art Lotterie wurde. Trotzdem will ich nichts schönreden. Ich hatte nicht den besten Tag und kam zweimal von der Strecke ab. Wenn so etwas passiert, bist Du international natürlich chancenlos.
Du bist 24-jährig und hast noch genügend Zeit, um den ganz grossen internationalen Erfolg zu feiern.
Das wird sich zeigen. (Dann entschlossen) Na, ich hoffe es doch sehr!
Fussballer erreichen ihr Topniveau auch erst mit 28 Jahren, sagt man.
Ok, das lässt mich hoffen (lacht). Bei uns im Downhill-Sport gelten betreffend Alter und Leistung wohl ähnliche Gesetze wie bei den Kickern. Das hoffe ich wenigstens.
Wirst Du Deinen Trainingsplan für die Saison 2012 umstellen?
Die Trainings werden betreffend Struktur ähnlich aussehen wie im Vorjahr. Die Intensität möchte ich aber steigern. Dazu plane ich für die Saisonvorbereitung neben den Roadbike- und Crosscountry-Einheiten noch mehr Stunden auf dem Downhill Bike ein. Und ich werde auch ins Red Bull Diagnostics & Training Center gehen. Dort erhalte ich unter anderem wichtige Informationen, wie ich am effektivsten trainieren kann.
Und dann werden wir im nächsten Jahr einen Nick Beer sehen, der voll angreift?
Auf jeden Fall. Ich möchte im Weltcup konsequent in die Top-10-Ränge fahren. Und wenn ich das schaffe, dann sind auch Podest-Plätze möglich.
Na dann wünschen wir Dir viel Erfolg dabei und einen gelungenen Aufenthalt in Frankreich. Fährst Du alleine?
Danke, die Wünsche kann ich gut brauchen. Und ja, ich fahre allein nach Nizza, ganz entspannt mit dem Zug.
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