Fünf Skydiver und zwei Kunstflieger haben den Begriff „Abfangjäger“ neu definiert. In 4.000 Metern Höhe und mit 180 km/h nahm das Red Bull Skydive Team in Wingsuits die Verfolgung von zwei Segelflugzeugen auf. Der Höhepunkt: Eine gemeinsame Formation.
Filmreif. Es klingt wie eine Szene aus dem Hollywood-Kultmovie "Top Gun", hat sich aber kürzlich ganz real in Niederöblarn in der Steiermark (Österreich) abgespielt. In millimeterdünnen Wingsuits nahm das Red Bull Skydive Team in 4.000 Metern Höhe die Verfolgung zweier Segelflugzeuge des Blanix-Teams auf. Mit über 180 km/h näherten sie sich bis auf wenige Zentimeter an und glitten Seite an Seite in Richtung Landebahn.
Schwierigkeiten und Risiken gab es dabei gleich einige zu bewältigen: „Unsere Sinkrate ist wesentlich geringer als die der Wingsuit-Flieger. Wir mussten daher im Spiegelflug mit voll ausgefahrenen Bremsklappen in einen Sturzflug übergehen. Die Flugzeuge waren dadurch sehr unruhig, dazu kamen noch Wind und Thermik. Da ist vollste Konzentration gefragt, um eine Kollision zu vermeiden“, schilderte Blanik-Pilot Ewald Roithner, der gemeinsam mit Paul Steiner das Projekt Akte (Blani)X III über ein Jahr lang vorbereitet hat.
(c) Wolfgang Lienbacher/ Red Bull Content Pool
Auge in Auge. Vor allem der enge Raum, auf dem die sieben Flugkörper manövrieren mussten, machte den Stunt zum Husarenstück. Bereits ein kleiner Fehler hätte fatal enden und das gesamte Team gefährden können. „Normalerweise hält man sich von anderen Flugobjekten fern. Wir haben uns direkt darauf zugestürzt und konnten am Ende den Piloten in die Augen sehen. Zwischen uns und fast einer Tonne Metall lagen oft nur wenige Zentimeter. Ich habe jetzt noch Gänsehaut“, erklärte Skydiver Paul Steiner, der bereits 2010 weltweit für Aufsehen gesorgt hatte, als er auf einem Flugzeug stehend das Leitwerk des zweiten Blanik berührte.
"Ich habe jetzt noch Gänsehaut!" Paul Steiner
Millimeterarbeit. Bereits leichte Thermik und geringste Flugmanöver lassen einen Flugkörper unstabil werden. Deshalb ist neben einer intensiven Vorbereitung auch blindes Vertrauen in das Team gefragt. Vor allem das Timing bereitete dem „Geschwader“ zu Beginn Schwierigkeiten. „Der Geschwindigkeits- und Sinkbereich, in dem wir parallel nebeneinander fliegen können, ist sehr gering. Flugwinkel, Sinkrate, Absprunghöhe und der Absprung selbst müssen bis ins kleinste Detail passen. Es blieben uns nur wenige Sekunden, um zu fünft aus dem Flugzeug zu springen, so dass wir möglichst dicht gestaffelt die Verfolgung aufnehmen können. Teilweise konnten wir uns gegenseitig nicht sehen“, schilderte Georg Lettner, der zwischen den Cockpits der im Spiegelflug herabbrausenden Blaniks nur wenige Zentimeter Spielraum hatte.
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Adrenalin. „Das kann man sich ungefähr so vorstellen: Man fährt auf einer dreispurigen Autobahn steil bergab mit zwei LKW und fünf Sportwagen in Formation – das ganze mit 180 km/h und nur wenigen Zentimetern Abstand. Dazu kommen noch Windböen und Schlaglöcher! Selbst dann fehlen noch das Gefühl des freien Falls, der hohe Abstand zum Boden und die dreidimensionale Komponente“, versuchten es Marco Waltenspiel und Michael Löberbauer für die staunenden Beobachter am Grund auf den Punkt zu bringen.
Geschichte. Mit Akte (Blani)X III haben die sieben wagemutigen Österreicher wieder international Geschichte geschrieben. Ingesamt waren elf Personen und sieben Flugzeuge an dem Stunt beteiligt – eine Aktion, die man nirgendwo auf dem Globus so schnell wird toppen können. „Jetzt freuen wir uns darüber, dass alles gut gegangen ist. Aber irgendwo tief drinnen geistert sicher bald die nächste Idee herum“, verriet Paul Steiner.
(c) Wolfgang Lienbacher/ Red Bull Content Pool
Weitere Infos:
www.redbullskydiveteam.com
www.blanix.com
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