Christoph Leuenberger

Mit 25 Jahren ist Christoph Leuenberger alias Clinic bereits zur weisen Einsicht gelangt, dass er, wenn er die Dinge einfach auf sich zukommen lässt, nicht mehr von Erwartungen enttäuscht werden kann. Denn dass sich das Leben nicht an unsere Pläne hält, davon kann er ein Lied singen. Anhören würde es sich in etwa so:

Bänderriss, Operation, Blutvergiftung - diese unglückliche Ereignisfolge kappte Ende der 90er Jahre Christophs vielversprechende Basketballkarriere, die ihn zuletzt in ein Talent-Camp nach New York geführt und deren Fortsetzung er sich schon in einem US-College ausgemalt hatte. „Ich wurde zu Probetrainings eingeladen“, erinnert er sich an die Zeit. Doch so tief der Schock über das plötzliche Aus anfangs auch sass, Christoph wusste, dass er einen Trumpf hatte: seine Leidenschaft für die Musik. Während all der Jahre am Ball hatte er sie in den Tiefen seines Gewissens am Leben gehalten; hat sie genährt – mit Pete Rock, Gangstarr, Wu-Tang Clan und den Soul-Klassikern, die diesen Künstlern die Samples für ihre Beats lieferten.

Zurück zur Musik
Christoph ist in einem musikophilen Zuhause aufgewachsen. Die Mutter hörte Klassik, durch seinen Vater hat er die Musik der Beatles, The Doors und Jean-Michel Jarre kennengelernt. Mit 12 beginnt er Gitarre zu spielen - es bleibt vorerst bei einer kurzen Affäre, die seiner Euphorie für den allgemeinen Streetball- und Basketball-Trend dieser Zeit weichen muss. Erst über 10 Jahre später, als Christoph sich ernsthaft dem DJing widmet, wird das Musikmachen und – produzieren wieder zum Thema. Anfangs experimentiert er mit einem simplen Sampler herum. Das Ausgangsmaterial für seine ersten Beats findet er auf alten Vinylplatten, die er für günstiges Geld im Gebrauchtwarenladen der Heilsarmee aufkauft.

Do it yourself
Die Suche nach immer neuen, immer besseren Samples führt Christoph, der sich inzwischen Clinic nennt und mit Factor (Red Bull Music Academy Melbourne 2006) als Radiorifle auftritt, an neue Musik heran. Vorallem öffnet er sich den elektronischen Genres und versucht fortan in seinen DJ-Sets und Produktionen die Verquickung von Elektronika und Hip Hop voranzutreiben. Aus dieser stilbrecherischen Attitüde erwächst schnell eine kreative DIY-Mentalität, die soweit geht, dass Clinic Akkorde und Klänge mit Instrumenten aufnimmt, die er kaum oder gar nicht beherrscht, und mit Samples zu Beats vermengt.

Ein Schritt in Richtung Meisterschaft
Es sind die naiv produzierten aber dennoch hinreissenden Beats, die Clinics rohes Talent offen an den Tag kehren. Erkannt hat seine Qualitäten jüngst auch das Kuratorium der Red Bull Music Academy, welches ihn für den ersten Term der Red Bull Music Academy 2010 (7. bis 19. Februar) in London gesetzt hat. Die Erwartungen, die Clinic an London hat, sind typisch bescheiden: er will im Mixing und Mastering Fortschritte machen, bei der Klangqualität dazulernen. Ansonsten gilt bei ihm nach wie vor: “Ich freue mich und lasse es einfach auf mich zukommen”.

Weitere Infos:
www.myspace.com/djclinic
 


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