DJ Cosmo

DJ Cosmo aus Halifax gewann das Red Bull Thre3Style Finale 2009 in Toronto, Kanada. Wir sprachen mit dem 29-jährigen Franko-Kanadier über den Event, was Red Bull Thre3Style so speziell macht, und holten uns ein paar Insider-Tips zu seinem Style.

Erzähl uns von deiner DJ-Vergangenheit.
Ich wurde in einer puren „Turntablism“-Szene gross. Ich machte lange nur Scratches, Beat Juggles und Tricks. Ich lebte eine Weile in Montreal, wo ich DJ Craze und A Trak und dieses ganze Umfeld miterlebt habe. Das war 2000, glaube ich... Die Szene war damals riesig.

Dann zog ich zurück nach Halifax und hing mit Skratch Bastid rum. Wir begannen zusammen zu proben und er lehrte mir das ganze Party-DJ-ing. Damals fing ich auch an mehr zu üben, machte Promotions und nahm an DJ-Battles teil. Ich begann auch, Musik zu produzieren.

Red Bull Thre3Style ist eine fantastische Gelegenheit, einfach alles was man hat zu zeigen: Die technischen Skills, das Party-Rocken und das Produzieren. Es ist perfekt.

Und deine Vergangenheit bei Red Bull Thre3Style?
Ich war zuerst nur Promoter für das Red Bull Thre3Style. Als der Event dann landesweit durchstartete, dachte ich mir ganz einfach: Da muss ich als Teilnehmer dabei sein!

Ein Aspekt, der beim Red Bull Thre3Style verlangt wird, ist das ‚Party Rocken’. Kannst du uns erzählen, wie du diese Aufgabe in Angriff nimmst?
Eine Party zu rocken heisst, die Mädchen auf den Dancefloor zu holen. Danach geht alles wie von selbst. Du musst die Leute in deine Welt hineinziehen. Die Party Crowd will oft kein Scratching hören. Wenn du es aber schaffst, sie mit der Musik zum abrocken zu bringen, kannst du problemlos Scratches einbauen und dein Können zeigen. Aber wie gesagt, vorher muss man den Leuten ein paar geliebte Häppchen servieren, so dass sie in deine Welt eintauchen können.

Wie stellst du ein Set für das Red Bull Thre3Style zusammen?
Ich stehe auf Hip Hop Musik. Deshalb beginne ich damit, die Geschichte dieser Musik zu ergründen. Wir nennen das „Source-DJ-ing“: Du startest mit einem original Funk-Soul Track, der in einem grossen Hip Hop Song gesampelt wird. Dann kannst du in deinem Set die aktuelle Hip Hop-Version auf den Track drauflegen. Als drittes gehst du weiter in den elektronischen Bereich. Entlang der Geschichte war es so, dass viele Elemente der elektronischen Musik aus dem Funk und Soul stammen. Also leitest du zum Beispiel mit einem Roller-Boogie über in einen fetten Electro-Track. So könnte das aussehen.

Die Sets sind wie eine kleine Geschichte. Du sollst langsam starten, nicht gleich alles am Anfang raushauen. Deshalb behalte den Elektro bis zum Schluss zurück. Als ich in Halifax dabei war, war ich jedoch etwas zu sehr verhalten. Ich traute mich nicht, zu viele technische Tricks zu zeigen, da der Event in einem pop-orientierten Club stattfand und ich stellte mein Set so zusammen, dass ich das Publikum nicht überfahre. Die Judges sagten mir danach, ich solle ruhig offener zeigen, was ich kann.

Es ist auch ein psychologisches Spiel. Ich rate jedem, der am Red Bull Thre3Style mitmacht, sich genau darauf vorzubereiten, vor welchem Publikum er spielt. Heutzutage kannst du als DJ alles machen, also überlege dir, wie du den Rahmen für dein Set abstecken sollst. Würde ich es ins Finale in Paris schaffen, würde ich ganz genau abchecken, was in Paris abgeht, wie die Leute ticken und was für eine Klientel der entsprechende Club dort hat. Man sollte seinem eigenen Stil treu bleiben - doch gleichzeitig muss man wissen, was einen erwartet.

Gib uns bitte ein Beispiel von einem Set, das funktioniert hat.
Nimm zwei bekannte Songs und mixe sie so, dass Leute überrascht sind. So dass die Leute eine Verbindung im Mix der beiden Lieder herstellen können und sie auf dem Dancefloor total abgehen. Ich mixte zum Beispiel eine Instrumental-Version von Eminems „The Champ Is Here“ mit einer Acapella-Version eines Reggae Songs, wie zum Beispiel „Champion.“ Die Leute hören hin und plötzlich macht der Mix Sinn. Dabei war nicht das Mixing die grosse Kunst, sondern eher die Idee, genau diese Tracks zu mischen.

Was hat dir der Sieg beim nationalen Finale des Red Bull Thre3Style 2009 in Kanada gebracht?
Es hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Ich wusste zwar immer, dass ich gut bin, aber der Sieg hat mir mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten als Showman gebracht. Dadurch stehe ich heute ganz anders auf der Bühne. Natürlich kritisieren Leute die Leistung mit dem Argument, ich sei nur ein „15-Minuten-DJ“. Ich versuche aber einfach, das alles positiv zu sehen. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich eine Art ‚shock and awe’ Sets performen kann - kurz, aber dafür um so heftiger. In nur 15 Minuten alles zu geben und eine Crowd zu beeindrucken braucht viel Können.

Ich habe bereits in ganz Kanada gespielt. Ich konnte echt überall, von der West Coast bis zur East Coast auflegen - und das in diesem riesigen Land. Das war immer ein Traum von mir. Red Bull Tre3Style hat mir dabei viel geholfen.

Und zum Schluss noch: Hast du spezielle Tips für einen Red Bull Thre3Style DJ?
Behalte einen ruhigen Kopf und hab einfach Spass. Competitions können sehr ernst werden und negative Stimmung kann Überhand nehmen. Das Publikum ist aber zum Spass da. Die wollen sehen, dass auch die DJs Spass haben. Zeige schwierige Tricks, lass es aber für das Publikum easy und cool aussehen.

Was deine Technik anbelangt: Teste dein Set unbedingt mit vielen möglichst verschiedenen Leuten. Ich spiele mein Set immer vor ein paar Mädels, die keine Ahnung von DJing haben. Die Jungs im Freundeskreis stehen vielleicht auf deine technischen Tricks, aber die Mädels werden dir aus dem Feeling heraus sagen, ob sie dein Set mochten oder nicht. Dabei lernst du es, eben genau die Leute mit deinem Set zu unterhalten, die sich keinen Deut für technische DJ-Spielereien interessieren.

Für mehr Infos zu DJ Cosmo check seine Myspace-Seite www.myspace.com/djcosmohalifax


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