Wenn der doppelte Downhill-Weltmeister Fabien Barel ruft, dann schieben die Freerider ihre Bikes selber stundenlang den Berg hoch. Und sie bezahlen sogar noch dafür. Das heisst nicht genau dafür, sondern für ein Entwicklungsprojekt. Nach Urge Kenya im vergangenen Jahr, hiess das Charity Race dieses Jahr Urge Nepal. Eineinhalb Tage schoben und trugen die Eingeladenen ihre Bikes bis an den Fuss des Dhaulagiri (8167m). Auf 4350m hiess es schneehalber Bike umdrehen und losfahren. Mit von der Partie war René Wildhaber, Spezialist für Downhill-Marathons und für spezielle Abenteuer in den Bergen immer zu haben.
Der einzige, der die knapp 2000 Höhenmeter unter einer halben Stunde schaffte, war Gastgeber Fabien Barel himself. Rene wurde mit 30'37'' hinter dem zehnfachen Downhill-Weltmeister Nicolas Vouilloz Dritter. Dass wir keine Streckenlänge angeben, hat seinen Grund: Die Route war nicht so ganz klar und niemand kam ohne Umweg ins Ziel. Spielte aber auch keine Rolle. Viel wichtiger war, dass jeder Teilnehmer 1000 Euro an ein Projekt spendete, das in der Heimat des berühmten aber wirtschaftlich gar nicht gesegneten Volks der Sherpa Schulen renoviert. Neben dem Schulbau hat René Wildhaber seit der Woche im Himalaya noch ein hohes Ziel im Hinterkopf: der erste Achttausender, den der leidenschaftliche Bergsteiger und Eiskletterer in echt sah, hinterliess einen bleibenden Eindruck. Fürs erste konzentriert er sich aber weiter darauf schnell Berge runter zu biken. Und vorher schliesst er noch die Saison als Skilehrer in seiner Heimat Flumserberg ab.
Du warst nicht zum ersten Mal im Himalaya. Was ist für dich der Reiz dieser Region?
Ich war schon in Nordindien. Aber in Nepal sind die Berge noch etwas höher. Die Achttausender zu sehen war sehr eindrücklich, aber auch, wie einfach die Menschen dort leben. Der thermische Wind ist extrem. Ich glaube, nach zehn Uhr kann in Jomsom kein Flugzeug mehr landen, weil er dann schon zu stark ist.
Und was ist bike-technisch das Spezielle am Himalaya?
Man merkt, dass die Leute noch hauptsächlich zu Fuss gehen. Es gibt gute Wege von überall nach überall. Und auch wo kein Weg ist, ist es oft super zu fahren.
Du bist auch Bergsteiger. Wärst du nicht gern noch weiter hinauf, als ihr mit den Bikes gekommen seid?
Doch, das hätte mich schon gereizt. Wir waren in Marpha, dem Ausgangspunkt für den Dhaulagiri. Der sieht extrem schön aus, eine richtig schöne Gletscherflanke. Ein Freund von mir geht dieses Jahr auf den Mount Everest. Ich hör mir erstmal an, was er danach erzählt, bevor ich selber so etwas mache.
Wie war die Stimmung unter euch Bikern?
In Kenya hatten wir mehr Zusammenhalt. Jetzt gab es verschiedene Gruppen. Wir schliefen auch nicht mehr alle in einer Hütte, sondern jeder in seinem Zimmer oder Zelt. Mark Weir, der letztes Jahr dabei war, konnte nicht kommen, weil sein Haus abgebrannt war.
Es war auch ein nepalischer Fahrer dabei. Was kannst du über ihn erzählen?
Er heisst Kumar Pun und ist ein flotter Typ, lacht die ganze Zeit. Er ist eher Dirt Jumper als Freerider. In Nepal organisiert er Dirt Jump Shows.
Ihr habt für die Renovierung von Schulen für Sherpa-Kinder gesammelt. Wie war der Kontakt mit den Sherpas, die euer Gepäck getragen haben?
Tagsüber waren sie meistens woanders als wir. Sie sind es gewohnt, für sich zu sein. Ich habe mich am Abend zwar zu ihnen gesetzt. Länger reden konnte ich vor allem mit dem Chef-Träger und dem Arzt, der mit uns kam und der ebenfalls dem Volk der Sherpa angehört. Der Chef der Träger war sogar schon in der Schweiz und ist das Bike Masters gefahren.
Wie habt ihr die letzte Nacht vor dem Rennen verbracht?
Wir haben in Zelten im Basecamp übernachtet. Von hier bricht man zum Dhaulagiri auf. Im März ist es noch zu früh, um Achttausender zu begehen. Darum waren keine Bergsteiger im Camp.
Kannst du uns mehr über die Abfahrt erzählen?
Wir starteten auf einer Krete auf 4350 Meter mit extrem schöner Aussicht. Der Anfang war sehr flüssig, leicht coupiert, es ging zwischen Dornenbüschen hindurch. Dann wurde es steiler und schneller, die Steine grösser und schliesslich wurde es super schnell. Es war nicht immer klar, wo der schnellste Weg lang geht. Ich sah Barels und Vouilloz Spuren abgehen und fragte mich, ob das wirklich eine kürzere Route war. Ich bin auf jeden Fall mehrmals falsch abgebogen. Weiter unten in einem Dorf musste ich nach dem Weg fragen. Im Tal unten war der Wind brutal stark. Zuletzt mussten wir über eine Seilbrücke, die war sozusagen die Zielgerade. Der Lenker passte genau rein, aber nicht alle schafften es fahrend über die schwankende Brücke. Ich hatte einen Riesenspass auf dieser Abfahrt.
Und wie ging es dir unten, nachdem du innert einer halben Stunde von 4300 auf 2700 Meter abgefahren warst?
Ich hatte weniger Atem als normal, da spürte ich die Höhe. Auch beim Hochlaufen kamen wir kaum vom Fleck. Ohne genügend Akklimatisation muss man auf dieser Höhe keinen Berg in Angriff nehmen, da kommt man nirgends hin.
Was passiert genau mit den 14000 Euro, die ihr gespendet habt?
Damit werden im Sherpa-Gebiet Schulen renoviert. Mir ist es wichtig, dass das Geld am richtigen Ort ankommt und dass die Leute diese Schulen auch wirklich wollen. Beides scheint der Fall zu sein. Wenn ich länger Zeit gehabt hätte, wäre ich auch gerne dorthin gereist, wo die Schulen stehen.
Wie ging es denn für dich weiter nach dem Rennen?
Ich musste ziemlich schnell zurück nach Flumserberg, wo ich als Skilehrer arbeite. Am Tag nach dem Rennen wanderte ich morgens um 6 Uhr los, flog um 9 Uhr ab und am Nachmittag des darauf folgenden Tags war ich schon wieder in der Schweiz.
Was kommt als nächstes – Urge Haiti?
Ein Grund weshalb wir nach Nepal gingen war, dass der Freerider Sam Péridy ein nepalisches Kind adoptiert hatte. Ich weiss nicht, wer sonst noch Kinder adoptiert hat, deren Herkunftsländer wir besuchen könnten. Von mir aus können wir auch wieder nach Nepal. Oder wo es sonst noch gute Trails und unterstützenswerte Projekte gibt.
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