Freeride Express Red Bull Photofiles

Eine der spektakulärsten Bahnstrecken der Welt ist der Glacier Express durch die Alpen. Entlang seiner Geleise gibt es Biketrails wie Schotterkugeln darunter.

René Wildhaber liebt die Berge und er weiss, was er ihnen schuldet. Die Natur ist ihm so wichtig wie sein Bike, mit dem er rund um den Globus die schönsten Trails fährt und Rennen gewinnt. Einige seiner Lieblingsstrecken findet er nach wie vor in den Schweizer Alpen. «Und man kann sie Co₂-neutral mit der Bahn erreichen. Ich glaube, das ist weltweit einmalig.» Die Bahn, an die René denkt, ist der Glacier Express. Seine Strecke: von Zermatt über Furka, Oberalp, via Chur und durch den Albulapass nach St. Moritz. Trails gibt's entlang der Geleise wie Schotterkugeln darunter.

Gedacht, gemacht. Mit von der Partie ist Renés Freundin und Trek Gravity Girl Katja Rupf, der US-Allzweckbikeprofi Ross Schnell, der Fotograf Christophe Margot und die Bikefilmer von Ionate ("Virtuous"). Der Railtrip beginnt vor dem Matterhorn, wo sich René und Ross durch Wanderer und Fototouristen lächeln. Trotzdem finden sie die eine oder andere sensationelle Linie durch das hochalpine Gelände. Der mit einer Kamera bestückte Modellheli ist eine Attraktion für sich und liefert Bilder zum Davonfliegen.

Nächster Halt: Flims. Die Heimat des Red Bull Trailfox rocken die drei vom Cassonsgrat auf 2600 Meter über Meer bis in die Rheinschlucht rund 2000 Meter näher zum Erdmittelpunkt. Von Hardcore-Geröllpassagen über Slick Rocks, flowigste Waldwege und 400 Meter Northshore Trails ist auf diesem Run alles dabei, um den Körper mit Adrenalin zu fluten.

Auf Schmugglerpfaden nach Poschiavo
Im Bernina Express, einem weiteren Bergsteiger unter den Eisenbahnen, reist die Radschaft zum Morteratschgletscher. Ross und René geben ihm die Spikes, fliegen über Spalten und sorgen für Sorgenfalten auf den Gesichtern der steigeisen-bewehrten Bergsteiger. René sorgt sich weit mehr um die Tatsache, dass der Gletscher in den letzten hundert Jahren über 2000 Meter verloren hat – ein Viertel seiner damaligen Länge.

Biologisches Prozac gibt‘s auf der Berninapasshöhe – zuerst auf den flowigen Pedal-trails um den Lago Bianco, dann auf den Schmugglerpfaden hinunter nach Poschiavo. Während sich die Bahn Kehrtunnel für Kehrtunnel ins Tal windet, rollt unser Trio an der frischen Luft durch die immer südlicher werdende Vegetation. Steile Felspassagen weichen lieblich federnden Waldwegen und immer wieder ertönt der Soundtrack des Trips: die quietschenden Bremsen und das Pfeifen des roten Zugs.

Der letzte Akt spielt im Albulatal, wo die Eisenbahningenieure ein kleines Weltwunder geschaffen haben, um den Höhenunterschied überwindbar zu machen. Kehrtunnels und talquerende Brücken bewirken, dass die Züge über den Köpfen der Freerider in einem Tunnel verschwinden und kurz darauf weit unten und ganz woanders wieder ausgespuckt werden.

Die Afterparty des Trips steigt auf dem Bergbauernhof, den Renés Bruder Ruedi bewirtschaftet. «Das sind meine Wurzeln und hierher komme ich immer wieder gerne zurück», erklärt René. Die Kühe nicken zustimmend.
 


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