Red Bull Music Academy London

Gerade haben die dreissig Teilnehmer der ersten Gruppe ihren eklektischen, in den Londoner Studios entwickelten Kompositionen den letzten Schliff verpasst und haben sich wieder auf den Heimweg nach Nigeria, Australien und Russland gemacht. Den Kopf voller Ideen und neuer Freundschaften. Oder wie es der schweizer Teilnehmer DJ Clinic beschreibt: "Schon am ersten Abend waren die Bedroom-Studios gefüllt mit Leuten, die zusammen Musik machen, aber sich eigentlich gar nicht kennen."

Seit der ersten Ausgabe 1998 in Berlin hat die Red Bull Music Academy musikalische Aufsteiger und Bahnbrecher aus über 32 Ländern versammelt. Dieses erste zweiwöchige "Semester" hat goldene Momente gebracht in den Vorlesungen des Hip/Pop-Schwergewichts Mark Ronson, dem amerikanischen Sound-Pionier Steve Reich, dem Daptone Grossmeister der analogen Aufnahmetechnik Gabe Roth, dem UK Hot-Stepper Roska, Cosey Fanni Tutti von Throbbing Gristle und... hier sei den Lesenden eine Verschnaufpause gegönnt.

Das volle Programm
Passend zum Valentinstag erreichte die Liebesgeschichte mit der Institution der britischen Musikszene schlechthin, dem New Musical Express (NME), ihre volle Blüte, indem das Red Bull Music Academy Radio die Moderatorin und UK-Journalistin Emma Warren und ihrem Team ans Mikrofon seiner tägliche Live Show von 10 Uhr bis Mitternacht (GMT) setzte. Wer die Live Broadcasts mit musikalischen Gästen wie dem Meinungsmacher Ross Allen und dem Detroit Techno Gründervater Carl Craig verpasst hat, kann sie auf www.rbmaradio.com unter dem Stichwort "NME" zurückholen.

In den Studio Sessions brodelte es bis spätnachts mit surrealen Jams im Dämmerlicht vom Oud-Spieler aus Bahrain, Hasan Hujairi und May Roosevelt, der griechischen Hohepriesterin des Theremins (auch Ätherwellengeige genannt). Manchmal, wie der einflussreiche Produzent Joe Boyd dozierte, muss der Sound bluten. Manchmal müssen verschiedene Musiker im gleichen Raum spielen, um die unbeschreibliche Vibe zu spüren, welche das Internet nicht immer rüberbringen kann. Und meistens lässt sich wahre Magie nicht planen. Der Komponist Steve Reich bemerkte in seinem Vortrag: "Komponieren ist zum Teil ein bewusster Akt. Aber das Fundament von allem, was ich gemacht habe war immer musikalische Intuition."

Red Bull Music Academy erobert jede Ecke von London
Die Serie von Events der Academy hat einigen Lärm in der Stadt verursacht. Die voll gepackte Royal Festival Hall erlebte experimentelle Shows, die Techno in eine neue Dimension entführten. Sir "Ramjam" Rodigen liess das Plan B in Brixton mit seiner breiten Palette an Dubplates erzittern. Zinc und Miss Dynamite mischten die Anwesenden mit der explosiven Alchemie ihrer Live Version von "Wile out" auf. Mit Metalheadz, DMZ, Soul II Soul und Trojan bestritten vier der grössten Pionier-Sound Systems im Roundhouse den ersten stilübergreifenden Sound Clash in London überhaupt – Geschichte und Zukunft der Basskultur in einem. Offiziell gewann Metalheadz dank ihrer Uptempo Angriffslinie, aber viele gaben ihre Stimme den meditativen Bass-Schwergewichten mit den geharnischten Battle-Reimen von DMZ (z.B. "you're dancing like a flight attendant"). Der Event endete mit viel gegenseitigem Respekt, als Drum 'n' Bass Galionsfigur Goldie den Club-Soul Pionier Jazzie B auf der Bühne umarmte und dessen Einfluss auf die basslastige Musik hochleben liess.

Londonerinnen und Londoner halten sich mit der Tageszeitung Daily Note auf dem Laufenden. Website und Youtube Channels werden permanent um die neusten Leckerbissen erweitert, während sich die brandneuen Aufnahmen und Live-Konzerte auf www.redbullmusicacademy.com einreihen, um angehört zu werden. Ja, das ist eine geballte Ladung auf einmal. Umso mehr gilt: Eintauchen geht über studieren.

Der Schweiz am Start: Clinic aus Bellach
Ob als Produzent, als Resident DJ im feinen Berner Club Bonsoir oder als Sammler musikalischer Edelsteine aus Vergangenheit und Zukunft: stets wandelt Clinic schwerelos von Deep House über schräge Beats zu jazzigen Slam Dunks.

Rückblickend auf seine Zeit an der Red Bull Music Academy in London meint er: „Es war wirklich eine unglaublich tolle und inspirierende Zeit. Besonders beeindruckt hat mich, dass alle Teilnehmer so gut miteinander harmoniert haben. Ich habe unglaublich tolle Leute kennen gelernt, mit denen ich ganz sicher auch in der Zukunft noch in Kontakt bleiben werde und auch zusammen Musik machen werde.“
 

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