Iouri Podladtchikov Red Bull Content Pool

Iouri Podladtchikov will Contests gewinnen, die Grenzen des auf einem Snowboard Möglichen verschieben, das Leben mit seinen Freunden geniessen und die besten Momente mit seiner Leica festhalten.

Iouri Podladtchikov ist der Junge, der aus Moskau via Holland nach Zürich kam und auf dem Skate- und Snowboard seine Heimat fand. Iouri ist eine Katze, die sich immer wieder aus ungemütlichen Situationen windet und auf den Füssen landet. Sei es beim Switch Double Mactwist oder beim TV-Interview, wo er scheinbar den Faden verliert und schliesslich auf die öde Frage nach seinem Befinden sagt: «als ob ich eine Geburtstagstorte ins Gesicht gedrückt bekommen hätte.»

Dabei liebt er Kaviar viel mehr als süsse Sahne. Auch wenn Iouri längst Schweizer ist, lebt der Russe in ihm weiter. Und der trainiert eisern, monatelang, bis der neue Trick klappt oder bis die Medaille am Hals hängt. Dann will er nur noch nach hause zu seinen Freunden und Freundinnen, die seit Jahren die gleichen sind. «Wenn ich endlich wieder in Zürich bin, dann will ich so viel Zeit mit meinen Leuten verbringen wie möglich. Das dauert dann halt die ganze Nacht.» Die besten Momente hält er mit seiner Leica fest. Die Bilder hat er auch schon in einer Galerie ausgestellt. «Bilder machen die Erinnerungen noch besser», ist er überzeugt.

Iouri will nur eines und das beinhaltet vieles: «Ich will alles herausholen, was ich kann.» Seit er dreizehn ist, gilt er als grösstes Snowboard-Talent der Schweiz. Daneben gewinnt er als Teenager einen Skateboard-Contest um den anderen. Mit 17 nimmt er zum ersten Mal an Olympischen Spielen teil, damals noch als Mitglied des russischen Teams. Vier Jahre später ist er Schweizer, Medaillenanwärter und einer der härtesten Herausforderer Shaun Whites. Iouri selber trägt massgeblich dazu bei, dass der Druck auf ihn steigt und steigt. «Ich brauche das. Und Erfolge unter Druck sind wertvoller», findet er.

Stürzen und wieder aufstehen
In seinem ersten Olympiafinal klappt es nicht. Der vierte Platz stürzt ihn in ein tiefes Loch. Wenig später gewinnt er die europäischen X-Games mit dem höchsten Skore, das bis dahin an X-Games vergeben worden ist. Die Katze landet auf den Füssen. Auch seine Freunde helfen ihm zu erkennen: «Der vierte Platz in Saltlake war das Beste was mir passieren konnte. Meine Geschichte wäre nur halb so interessant, hätte ich dort eine Medaille geholt.»

Eine andere Geschichte zeigt, wie Iouri tickt: Monatelang bereitet er einen neuen Trick vor, den Switch Double Mactwist, einen Sprung in eine neue Dimension. Mit einem anderen Snowboard Pro wettet er, wie lange er braucht, bis er ihn steht. Die Wette verliert er, weil er sich im Training das Schlüsselbein bricht. Wieder gesund setzt er sich den Zeitpunkt selber, an dem er den Trick zum ersten Mal auf Schnee wagt. Der Tag erweist sich als sehr ungünstig. Iouri hat mehrere schmerzhafte Stürze hinter sich und fühlt sich nicht fit. Doch es gibt kein Zurück. «Sonst hätte ich vor mir selber versagt», erklärt er. Für ihn noch schlimmer als eine verlorene Wette. Iouri steht den Sprung im ersten Versuch.

Die nächsten Olympischen Spiele finden in Sotchi, in seiner alten Heimat Russland statt. Dort ist Iouri Podladtchikov so bekannt wie in der Schweiz. Der Druck wird riesig sein. «Das macht es interessant», sagt er, «Ich freue mich drauf.»


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