Natascha on Gran Canaria (c) Red Bull Photofiles

Die vermeintliche Rückkehr nach Hawaii wurde zu Nataschas grösster Enttäuschung seit ihrem schweren Unfall auf Big Island am Ironman 2007. Das Jahr, in dem sie ihr Comeback auf der langen Dreikampfstrecke geplant hatte, war geprägt von einem Virus, welches gute Trainings umgehend mit einer Krankheitsattacke beantwortete. Einen guten Monat vor dem Start musste Natascha einsehen, dass ein Start am Ironman Hawaii in dieser Form nicht gut enden könnte.

Sie verarbeitete diesen Rückschlag wie die Strapazen eines Triathlon: indem sie Hindernisse in Herausforderungen umdeutete und den Kampf damit in ein Glück spendendes Spiel. Und siehe da: ein halbes Jahr später stimmt die Form. In Port Elizabeth greift Natascha wieder in den grossen Dreikampf ein. 3.8 km schwimmen in der Nelson Mandela Bay, 180 Radfahren auf rauem Asphalt entlang des indischen Ozeans und ein Marathonlauf ebenfalls entlang der nach dem südafrikanischen Freiheitshelden benannten Bucht – für die Iron Lady das Glück schlechthin. Kurz vor der Abreise gibt sie dem roten Bullen ein exklusives Interview.


Der Ironman Südafrika wird dein erster Ironman-Wettkampf sein, seit deinem Unfall auf Hawaii 2007. Warum gerade dieses Rennen?

Südafrika war der letzte Ironman, den ich gemacht habe vor meinem Unfall. Ich lief Streckenrekord und war sogar bei den Männern in den Top Ten. Ich habe massenweise gute Erinnerungen an dieses Rennen. Darum ist das ein guter Wiedereinstieg.

Wie lange hast du gebraucht, um die Absage von Hawaii im letzten Herbst zu verdauen?

Unmittelbar nach meiner Absage tat es sehr weh und am Renntag ebenfalls. Dann konzentrierte ich mich auf mich, erholte mich, baute wieder auf. Abgeschlossen mit Hawaii 2010 hatte ich im ersten Trainingslager auf Gran Canaria im Januar. Ich konnte wieder voll trainieren, war stabil und belastbar.

Wie hat dir der Schweizer Herbst gefallen, den du zum ersten Mal sei vielen Jahren erlebt hast?

Es war wunderschön. Ich liebe die vier Jahreszeiten in der Schweiz und den Herbst habe ich immer verpasst, weil ich zu der Zeit immer auf Hawaii war. Zu erleben wie der Wald sich verfärbt, das war ein Geschenk für die Enttäuschung von Hawaii.

Wie war das Training in den letzten Monaten?

Wir trainierten immer zwei Wochen in der Schweiz, dann zwei Wochen in Gran Canaria. Dort fuhr ich vor allem Velo, wofür es in der Schweiz zu kalt war. Zuhause konzentrierte ich mich auf lange Laufeinheiten und das Schwimmen. Zudem machte ich Techniktraining auf dem Mountainbike. Das Wichtigste für mich war, dass ich über Monate alle Trainings machen konnte und keine Rückschläge mehr hatte wie letztes Jahr. Toni hat mich schön auf die Belastung vorbereitet.

Hast du es geschafft, deinen Ehrgeiz im Zaum zu halten und Übertraining wie letztes Jahr zu vermeiden?

Meinen Ehrgeiz konnte ich nicht immer in Schach halten. Aber ich habe mich immer strikt an Tonis Plan gehalten. Wenn da stand: Laufen, locker und flüssig, dann lief ich locker und flüssig. Ich habe eine neue GPS-Uhr, die mir genau anzeigt, wie schnell ich laufe. Wenn ein wettkampfmässiges Training anstand, dann kontrollierte ich mit der Uhr, dass ich wirklich lief wie im Wettkampf.

Wo stehst du leistungsmässig?

Das musst du den Trainer fragen, ich weiss es nicht. Wir haben bewusst neue Trainingsdistanzen festgelegt, damit ich keine Vergleichszeiten habe. Denn diese Zeiten von vor dem Unfall hatten meinen Ehrgeiz geweckt und mich auf einen Irrweg gebracht. Muskelkater hatte ich öfter, da ich die langen Belastungen nicht mehr gewohnt bin.

Wie fühlst du dich jetzt, kurz vor deinem Wiedereinstieg ins grosse Geschäft?

Ich freue mich sehr, dass ich mich wieder so gut fühlen darf – so gut wie noch nie seit meinem Unfall. Ich bin parat für den Ironman Südafrika.

Mit welchem Ziel startest du in Südafrika?

Ich will mich freuen und meine Kraft und Energie wieder so erleben wir früher. Ich weiss, dass ich noch nicht in der Form bin, die ich vor dem Unfall hatte. Aber ich bin stark genug, um einen echten Test zu wagen. Der Motor und die Steuerung sind ja noch dieselben, aber das Chassis ist neu. Die Devise ist auf jeden Fall Vollgas!

Ihr schwimmt in der Nelson Mandela Bay. Inspiriert dich dieser Namen?

Es ist ein inspirierender Ort. Nelson Mandela hat gesagt: «Sport verbindet». Das sehe ich genau so. Die Nelson Mandela Bay ist eine tolle Bucht. Allerdings gibt es oft Wellen und das Meer ist ungewohnt dunkel.

Du wirst mit der Startnummer 1 ins Rennen gehen. Ist das ein weiterer Motivationsfaktor?

Wirklich? Das wusste ich nicht. Das ist ja toll! Normalerweise hat immer ein Mann die Nummer eins. Das ist definitiv eine grosse Motivation. Danke für die gute Nachricht.
 


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