Die Weltmeisterin lässt das Siegen nicht. Fünf Jahre nach ihrem letzten Sieg in einem Ironman-Triathlon – jenem von Südafrika – gewinnt Natascha Badmann just an der Stelle den ersten Ironman nach ihrer schweren Verletzung.
Die Bedingungen sind äusserst schwierig mit starkem Wellengang in der Nelson Mandela Bay und ebensolchem Wind. Natascha steigt mit fast 15 Minuten Rückstand aus dem Wasser und verwandelt diesen auf der Rad- und der Laufstrecke in einen Vorsprung von elf Minuten. Mit ihren 45 Jahren ist sie überdies die älteste Frau, die einen Triathlon dieser Kategorie gewinnt. Und es sieht nicht danach aus, dass Natascha bald genug hätte.
Natascha, das Interesse an dir ist nach deinem Sieg in Südafrika so gross wie in deinen besten Tagen. Nur bist du jetzt nicht mehr als weltbeste Ironman-Triathletin gefragt, sondern als Comeback-Wunder. Wie fühlt sich das an?
Das ginge ja noch, aber ich werde jetzt überall als die älteste Frau hervorgehoben, die einen Ironman-Wettkampf gewonnen hat. Darauf, die Älteste zu sein bin ich aber nicht stolz, sondern dass ich das wieder geschafft habe. Damit ist auch eine grosse Dankbarkeit verbunden, allen Menschen gegenüber, die das möglich gemacht haben.
Letztes Jahr sagtest du, es gehe dir nur noch darum, an Ironman-Wettkämpfen ins Ziel zu kommen. Das ist schwer zu glauben, nach dieser Aufholjagd.
Es war so: das Schwimmen war das Schlimmste meiner ganzen Karriere. Die Wellen haben mir jeden Rhythmus zunichte gemacht und die nicht professionellen Athleten, die nach den Profis gestartet waren, und die mich allmählich einholten, waren auch nicht gerade nett mit mir.
Dann kam ich aus dem Wasser und freute mich einfach darauf, Velofahren zu können. Von einem grossen Rückstand nach dem Schwimmen habe ich mich noch nie beeindrucken lassen. Als es mir gut lief und ich aufholte, freute ich mich noch mehr. Ans Gewinnen dachte ich aber noch lange nicht.
Nach über acht Stunden Wettkampf hast du die Spitze übernommen. Wie war das?
Ich wollte einfach mega gut laufen und das Tempo halten, zu welchem ich fähig bin. Als ich dann von Runde zu Runde der Führenden näher kam, war das natürlich zusätzlich motivierend. Dann lief ich zu Simone Brändli auf und beglückwünschte sie zu ihrer grandiosen Leistung. Aber da mein Tempo höher war, überholte ich sie.
Die letzten eineinhalb Stunden bist du vorne weg gelaufen. Was ging dir da durch den Kopf?
Da wollten die Emotionen schon überhand nehmen und ich musste mir sagen: Natascha, konzentrier dich auf das Laufen und dein Tempo. Die Emotionen wollte ich mir für den letzten Kilometer aufsparen. Das habe ich dann nicht ganz geschafft, und begann schon mehrere Kilometer vor dem Ziel zu winken und zu jubeln. Die Zuschauer in Südafrika gehen aber auch speziell mit.
Hast du in diesen Momenten an deine früheren Siege gedacht?
Überhaupt nicht. Ich lebte voll und ganz in dem Moment, in der Atmosphäre, es war einfach überwältigend.
Steigt jetzt die Lust, dich der Weltspitze weiter anzunähern?
Was für mich interessant ist: Ich habe sowohl die beste Radzeit als auch die beste Laufzeit erreicht. Das ist mir in meiner Karriere noch nicht oft gelungen. Es ist einfach eine echte Freude, verletzungsfrei zu sein und so schnell laufen zu können. Und ich war nicht am Anschlag. Der Wettkampf hätte eine Stunde länger dauern können und ich wäre ins Ziel gekommen. Ich glaube, ich hätte den Marathon auch schneller laufen können. Aber das ist hinterher leicht gesagt.
Was sind denn jetzt deine nächsten Ziele?
Ausruhen. Ich bin zwar aufgedreht, aber auch mega müde. Jetzt will ich mich erstmal erholen. Dann schaue ich, wo ich starten könnte – in der Schweiz wäre schön, oder in Österreich. Das neue Qualifikationssystem für den Ironman Hawaii ist sehr hart. Letztes Jahr gab es eine Frau, die vor Hawaii drei Ironman-Wettkämpfe machte, um sich zu qualifizieren. Das tu ich mir nicht an. Aber natürlich wäre ich in Hawaii gerne wieder am Start.
Früher oder später wirst du also wieder 35 Stunden pro Woche trainieren – von kürzer treten keine Spur. Warum?
Eigentlich wäre jetzt ein schöner Zeitpunkt, um aufzuhören. Aber dann würde es mich später wurmen, dass ich nicht versucht habe, eine noch bessere Form zu erreichen und alles aus mir herauszuholen. Wenn ich es schaffe, mich noch einmal für Hawaii zu qualifizieren, dann wäre das natürlich eine schöne Sache.
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