B-Boy EZMike aus Thun hat sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt: er gewann den Red Bull BC One Cypher Switzerland. Hier spricht er über seinen Sieg und seine Stärken und Schwächen.
Was bedeutet dieser Sieg für dich?
Das ist schon der Hammer! Ich bin total überrascht! Ich hätte nicht vermutet, dass ich den Event gewinne.
Warum nicht?
Weil meistens die Powermover gewinnen. Die Akrobaten halt, weil das beeindruckender ist und die meisten Leute mehr anspricht. Zumindest die, die nicht so viel vom B-Boying verstehen. Ich bin halt mehr ein Styler als ein Powermover.
Wie hast du diesen Abend empfunden?
Ich war die ganze Zeit super nervös. Ich habe mich vor drei Wochenbeim Training verletzt und mir im rechten Fussgelenk die Bänder angerissen. Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass mein Fuss nachgibt.
Das hat man gar nicht bemerkt. Hast du keine Schmerzen?
Jetzt schon! – lacht – aber während des Battles habe ich durchs Adrenalin den Schmerz nicht gespürt.
Warst du schon einmal bei einem Red Bull BC One Battle?
Nein. Dies ist mein erstes Mal. Als der Event 2004 in Biel stattfand kam ich zu spät und es gab keine Tickets mehr. Ich war total frustriert. Und jetzt habe ich tatsächlich den Schweizer Cypher gewonnen!
Was war deine Strategie heute Abend?
Ganz ehrlich? Ich hatte keine! – lacht – Ich habe einfach drauflosgebattlet!
Wie war das im Finale? Hattest du das Gefühl, du gewinnst?
Ich hatte keine Ahnung wer gewinnt. Wenn Yu-Seng dran war habe ich mich nur auf mich konzentrieren können. Was bringe ich als nächstes? Welche Moves? Wie kann ich meinen Fuss schonen?
Warum hast du heute Abend gewonnen?
Weil ich mich mehr aufs Tanzen konzentriert habe als auf Technik und versucht habe, die Musik so gut wie möglich zu interpretieren.
Wann hattest du die Idee mit dem Tanzen anzufangen?
1999 auf einem Dorffest in Thun habe ich eine B-Boy Show gesehen. Das fand ich faszinierend. Mein Bruder hat damals auch schon getanzt. Nachdem ich die B-Boys gesehen hatte, habe ich meinen Bruder gefragt, ob er mir was zeigen kann. Oder mir jemanden vorstellen, der mir das beibringt. Mein Bruder hat gesagt: „Das ist DEINE Reise, DEINE Mission. Das musst du selbst tun. Er hat mir dann aber eine Videokassette gegeben, ich habe damit geübt und dann später bei uns im Tanzstudio angefangen zu trainieren.
Bist du in einer Crew?
Ich bin seit 2001 Mitglied der Soul Society. Wir sind nicht nur B-Boys. Wir haben Tänzer aus allen Stilrichtungen des Hip Hop.
Wer hat dich inspiriert?
Die Rocksteady Crew – Mr.Wiggles, Kenny, Crazy Legs, Whynot, Jeskillz Bonita, die Zulu Kings, Alien Ness, die Boogaloos, Elite Force und viele andere.
Wie hast du deinen Namen bekommen?
Alien Ness hat mir den Namen gegeben. Er war damals in Thun und hat uns trainiert und er fand, ich würde alles so leicht aufnehmen und gab mir den Namen EZMike. (Sprich: Easy Mike)
Was ist das tolle an einem Battle?
Das Adrenalin, die Chance sein Bestes zu geben und sich mit anderen zu messen. Es gibt einem Inspiration und die Motivation besser zu werden und über sich selbst hinaus zu wachsen.
Verdienst du dein Geld mit dem Tanzen?
Ich unterrichte viermal die Woche Dance und arbeite temporär nebenher als Maler. Mein Ziel ist es, irgendwann vom Tanzen zu leben und natürlich gesund zu bleiben.
Was hält deine Familie vom B-Boying?
Die finden das super. Es gibt ja auch Schlechteres, was man mit seiner Zeit anfangen könnte – lacht – sie finden B-Boying toll und sehen auch gerne mal zu.
Jetzt schauen alle Schweizer B-Boys auf dich in Barcelona.
Ich hoffe ich werde die Schweiz nicht enttäuschen und mich gut halten in Barcelona. Ich werde noch härter trainieren. Ich werde jetzt erst mal eine Woche pausieren um meinen Fuss zu schonen und danach richtig loslegen.
Was gefällt dir so gut am B-Boying?
Die Musik ist das Wichtigste für mich und ist ein guter Weg mich auszudrücken. Ich bin einfach glücklich wenn ich tanze.
Welchen Platz hat B-Boying in deinem Leben?
Nach meiner Freundin und der Familie ist es das allerwichtigste für mich.
Wie oft trainierst du?
So viel ich kann. Drei bis viermal die Woche ein bis zwei Stunden vor oder nach dem Unterricht den ich gebe.
Trainierst du auch noch andere Styles?
Neben B-Boying noch House und Locking. Da könnte ich keinen Battle mitmachen, aber es macht mich zu einem runderen, kompletteren Tänzer
Was sind deine Stärken?
Definitiv Toprocks und Footwork. Strategisch: Dass mich die meisten Leute unterschätzen. Ich bin schüchtern und rede nicht viel. Beim Tanzen kann ich mich aber ausdrücken und da sind dann viele Leute überrascht, die nicht damit gerechnet haben, dass ich da so aus mir raus gehe.
Schwächen?
Akrobatik! Da geht noch was. Daran werde ich auf jeden Fall noch arbeiten. Man muss alles beherrschen. Das ganze Paket. Ich werde nie ein Powerhead werden, bin auf jeden Fall mehr ein Styler aber ich will auf jeden Fall mein Repertoire an Powermoves noch weiter ausbauen.
Wenn du battlest, hast du dann vorbereitete Sets oder tanzt du Freestyle?
Kommt immer drauf an. Ich habe einzelne Sequenzen, die habe ich so oft trainiert, die kommen dann automatisch, der Rest ist Freestyle.
Wie steht die Schweiz da im B-Boying im Vergleich zum Rest Europas?
Es hat hier viele gute Tänzer, aber die Szene ist nicht gross.
Wie schätzt du deine Chancen in Barcelona ein?
Es wird auf jeden Fall schwer für mich. Die Konkurrenz wird gross! Aber ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben für die Schweiz.
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