Die grausamste Route, das teuerste Material, die beste Crew: Das Volvo Ocean Race hat mit normalem Segeln so viel gemeinsam wie Überleben mit Sterben. Willkommen zur herausforderndsten Regatta der Welt.
Das Prinzip des Volvo Ocean Race ist simpel: Nimm eine Rennyacht im Wert von neun Millionen Euro, setze die weltbesten Segler drauf und jage beide in einem 72.000-Kilometer-Marathon einmal um den Erdball. 2011/12 führte die Route in neun bis zu 22 Tage und Nächte dauernden Etappen von Spanien über Südafrika, die Vereinigten Arabischen Emirate, China, Neuseeland, Brasilien, die USA, Portugal und Frankreich ins Ziel nach Irland und damit durch alle Weltmeere, an die Küsten aller Kontinente und in sämtliche Klimazonen.
Die Boote mit ihren Crews (jeweils zehn Segler und ein Medienmann, der live von Bord berichtet) werden in jedem Etappenhafen von Serviceteams erwartet, welche die zersegelten Schiffe wieder reparieren. Das Volvo Ocean Race (VOR) ist nicht nur sportlich extrem: Die Finanzierung eines einzigen Teams mit Chancen auf den Gesamtsieg verschlingt 50 Millionen Euro. Die Teammitglieder des 2011/12er-Rennens waren deshalb Angestellte internationaler Konzerne: PUMA Ocean Racing powered by BERG, Groupama Sailing Team, Abu Dhabi Ocean Racing, Team Sanya, Team Telefónica und CAMPER with Emirates Team New Zealand.
Wer darf auf einer Volvo-Ocean-Race-Yacht mitsegeln?
Andreas Hanakamp, zweifacher Olympiastarter und VOR-2008/09-Skipper: „Nur wenige Segler können so eine Yacht rennmäßig bewegen. Das ist genauso limitiert wie die Anzahl der Menschen, die ein F1-Auto fahren können. Du musst dein Leben lang trainieren. Du brauchst die Instinkte, um mit der Gefahr da draußen umzugehen, seglerisch, aber auch in der Auseinandersetzung mit der Natur. Was hilft, ist eine Zusatzqualifikation – Segelmacher zum Beispiel, Bootsbauer, Kunststofftechniker, Strömungstechniker, Arzt. Tust du das alles zusammen lange genug auf sehr hohem Niveau, bekommst du vielleicht eine Chance, Volvo Ocean Race zu segeln.“
Die Liste der Skipper des VOR 2011/12 ist aufgrund dieser Kriterien ein Who’s Who der Segel-Elite: mit dabei Olympiasieger wie Iker Martínez (ESP), Weltmeister und America’s-Cup-Teilnehmer wie Ken Read (USA), Weltrekordhalter wie Franck Cammas (FRA) und echte „Salzbuckel“, die ein VOR kurz unterbrechen, um schnell einmal die Frau fürs Leben vor den Altar zu führen. Der Neuseeländer Mike „Der Elch“ Sanderson hat das getan, beim Rennen 2005/06. Und flott genug, um die Regatta hinterher auch noch zu gewinnen.
Die Boote vom Typ VO70 sind 21,5 Meter lang, maximal 5,7 Meter breit, 14,5 Tonnen schwer und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 75 km/h. Von der Konstruktion her ist ein VO70 eine Rennjolle auf Steroiden. Am tiefsten Punkt des sieben Tonnen schweren Stahlkiels, 4,5 Meter unter der Wasserlinie, hängt eine mehrere Tonnen schwere sogenannte Kielbombe aus Blei. Der Kiel kann hydraulisch um bis zu 40 Grad zur Seite geschwenkt werden, jeweils in die Windrichtung. Diese Aktion zwingt das Boot, sich gegen den Winddruck aufzurichten und so viel Segelfläche wie möglich zu bieten. Vom Konzept her brutal und somit typisch für das VOR: Bläst der Wind mit maximaler Kraft in die Segel, presst er den Fuß des 31 Meter hohen Karbonmasts mit einer Gewalt von 50 Tonnen in den Rumpf.
Mehr über das Volco Ocean Race sowie die einzelnen Etappen lesen Sie in der August-Ausgabe des Red Bulletin.

Red Bulletin: Das Weltrennen