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Red Bulletin: Sieg am Cerro Torre

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Ein alpinistischer Meilenstein, eines der letzten großen Abenteuer: Im dritten Anlauf schafft der Tiroler Kletterer David Lama als Erster die freie Besteigung des mystischen Cerro Torre in Patagonien.

Als er am 21. Jänner 2012 gegen 13 Uhr auf dem Gipfel des Cerro Torre stand, Sonne, Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt und, was für eine rätselhafte Umkehrung alles vorher Erlebten, kein Wind, ließ David Lama den Blick über das Premiumpanorama patagonischer Granitformationen schweifen, pittoreske Berge, wie sie Caspar David Friedrich nicht wilder und dramatischer hätte malen können, ein seltener, kostbarer Anblick, den nur eine Handvoll Menschen vor ihm genossen hatte, so dass Lama allen Grund zum Jubeln oder wenigstens zum strahlenden Lächeln gehabt hätte, aber der junge Mann blickte doch nur tief in sich selbst hinein.

Es war jetzt also so weit. Das Projekt, den Cerro Torre frei zu erklettern, das während drei Jahren so groß und manchmal übermächtig erschienen war, transformierte sich gerade zur Legende, zur Geschichte, bekam in Davids strenger persönlicher Kontoführung der eigenen Abenteuer das Etikett „erledigt“. Für einen Augenblick fühlte sich der junge Mann seltsam leer, wurde sich des Fehlens der Aufgabe bewusst, die ihn herausgefordert, abgeworfen, geplagt hatte und nun verschwand, wie ein störrischer Luftballon, dem man nachgejagt war und der nun, kaum hatte man ihn in der Hand, die Luft verliert

Beim ersten Versuch scheiterte David Lama bereits auf halbem Weg.

Es wurde dann doch ein bisschen feierlich, spätestens als Peter Ortner, mit dem David diese alpinistische Ausnahmeleistung vollbracht hatte, nackt über den Eispilz tanzte, der den Gipfel bedeckt. Es musste also doch etwas zu feiern geben.

Der 21. Jänner 2012 stand am Ende einer Reihe von drei Expeditionen, die 2008 mit einem Blick in ein Klettermagazin begonnen hatte. Damals sah David Lama, 17, Sohn einer Tiro­lerin und eines nepalesischen Sherpas, eine Ansicht der spiegelglatten Gipfelwand des Cerro Torre, dieser mystischen Granitnadel im äußersten Süden Südamerikas, zum ersten Mal und begann das Bild zu lesen, wie es ausschließlich ein Kletterer seiner Qualität lesen kann: Mehr noch, David betrachtete den Berg, der bis dahin nur von einer überschaubaren Zahl von Alpinisten bestiegen worden war, mit herausforderndem Blick. Vielleicht, dachte er, kann man den Torre auch frei klettern, und wenn man ihn frei klettern kann, dann muss ich das machen.

David Lama gehört zu einer neuen Generation von Kletterern. Er eignete sich schon als Kind die wesentlichen technischen Fähig­keiten an, mit denen er als Youngster in den Sportkletterzirkus einstieg und dort früh große Erfolge feierte, den Weltcup gewann und mehrere Europameistertitel. Dass David nicht auf Jahre hinaus im Spitzensport tätig blieb und mit den besten Hallenkletterern der Welt um Titel und Preisgelder rittert, lag daran, dass ihn seit jeher diese Sehnsucht in die Berge trieb, nach dem Klettern am Fels, wie es ihm sein langjähriger Trainer Reini Scherer vermittelt hatte. David begann mit Freunden und Partnern ins Gebirge zu gehen, um, wie der Alpinist sagt, „Projekte zu machen“. „Projekte“, das heißt: schwierige und schwierigste Kletterherausforderungen annehmen, die in den Alpen oder anderen Gebirgsformationen darauf warten, gelöst zu werden.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der April-Ausgabe des Red Bulletin.

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