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Red Bulletin: Red Bull Stratos - Völlig abgehoben

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Der Heliumballon von Red Bull Stratos fasst 850.000 Kubikmeter, überragt beim Start die Spannweite dreier Boeing 777 und wird Felix Baumgartner auf die dreifache Reiseflughöhe des größten zweistrahligen Passagierflugzeugs der Welt steigen lassen. Atemberaubend: die Logistik und Präzision hinter dem Ballonstart.

3.1: Ballonstart: So geht er in die Luft.

Der Mann mit der größten Verantwortung ist gewohnt, der Buhmann zu sein. Das liegt an seinem Job: Er ist Meteorologe. „Wir sind immer schuld“, nimmt Don Day das Schicksal seiner Profession auf die leichte Schulter. „Das ist Teil unserer Job-Description.“ Wahr ist: Das gesamte Team von Red Bull Stratos zollt dem Mann aus Cheyenne, Wyoming, höchsten Respekt und ist nach Jahren der Zusammenarbeit noch immer bass erstaunt von der Präzi­sion, mit welcher der Meteorologe das Wetter vorausberechnet (nicht etwa voraussagt, wohlgemerkt).

„Um einen Ballon dieser Größe in die Luft zu bringen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein. Erstens: kein Wind. Am Boden dürfen wir nicht mehr als 3 km/h haben, beim höchsten unserer drei Wetterballons in 60 Meter über Grund nicht mehr als 6 km/h. Das erreichst du selbst in einer Gegend, die für Ballonstarts so prädestiniert ist wie New Mexico, nur direkt vor Sonnenaufgang. Zweitens: keine oder nur wenig Wolken, geringstmögliche Luftfeuchtigkeit. Auf der Fläche des ­gesamten Ballons addieren sich selbst Wassertröpfchen schnell zu einer Last von mehreren hundert Kilo. Drittens: Wir brauchen gute Sicht. Und viertens dürfen am Weg nach oben nirgendwo zu starke Winde auftreten, die Felix unkontrolliert weit abtreiben könnten. Nur wenn diese Parameter erfüllt sind, kann ich mein Okay geben, und Red Bull Stratos darf abheben.“

„Einen 850.000-Kubikmeter-Ballon startest du nicht alle Tage.“

Don Day stehen dafür Messwerte bis in 40 Kilometer Höhe zur Verfügung – der höchste von der Meteorologie erfassbare Punkt, höher noch, als Felix steigen wird. Die ­Mischung aus computerberechneten Wettermodellen, Messwerten verschiedener Wetterballons in unterschiedlichen Höhen, gespeicherten Aufzeichnungen und am Ende einem Quäntchen meteorologischen Genies ermöglicht drei Tage vor einem möglichen Start eine Prognose: Bereitet euch darauf vor, dass wir z. B. am Mittwoch starten. 24 Stunden vor dem Start ist die Prognose so genau, dass sich Don eine „90-prozentige Genauigkeit“ entlocken lässt.

Acht Stunden vor dem Start sollte feststehen, ob der große Tag gekommen ist. So lang braucht es nämlich, um die gesamte Startprozedur ablaufen zu lassen.

Der Mann, der den Ballon dann tatsächlich in die Luft bringt, heißt Ed Coca. Wiewohl ein alter Hase, nötigt ihm Red Bull Stratos doch großen Respekt ab, „immerhin startest du einen so großen Ballon nicht alle Tage“. Wie viele 850.000-Kubikmeter-Ballons er denn schon gelauncht habe? „Es ist mein erster.“

Viereinhalb Stunden vor dem Start ruft Ed den Meteorologen Don an, um die ex­akte Richtung eines eventuellen Lüftchens (genau: nicht mehr als 3 km/h) präzise zu erfahren. Dementsprechend werden der Ballon und der „Train“ darunter, bestehend aus Kapselfallschirm und den Verbindungen zum Ballon auf der einen und der Kapsel auf der anderen Seite, am Flugfeld in Roswell, New Mexico, aus­gelegt. Das bisschen Wind, das erlaubt ist, muss möglichst direkt gegen die Kapsel drücken und darf keinesfalls aus der Gegenrichtung oder schräg kommen, um einen kontrollierten Start zu ermöglichen.

3.2 Felix lernt Ballon fahren

Text: Felix Baumgarnter
Wie steuert man Ballons? Grob gesprochen geben Winde die Richtung vor, und als erfahrener wie gut vorbereiteter Ballonfahrer weiß man, in welcher Höhe sie wann wie wehen. Sanfter Nordwind in 200 Meter Höhe kann durchaus ­reschen Südwind in 400 Meter bedeuten. Du reist mit gut und gern 40 km/h oder mehr, was du in der Gondel allerdings nicht mitkriegst, weil du dich ja mit dem Wind bewegst. Erst wenn der Wind dreht, spürst du ihn.

Um aus 36 Kilo­metern springen zu können, muss man zuerst rauffahren. Wie bei jedem Verkehrsmittel gilt auch beim Ballon: Zum Fahren braucht man eine Lizenz. Der Weg dahin kann manchmal ziemlich abenteuerlich sein.

Die Reisehöhe eines Heliumballons ­justierst du mittels eines Ventils, das Gas entweichen lässt – du sinkst –, oder durch Ablassen von Ballast – du steigst. Das funktioniert sehr präzise, allerdings mit ­einer Verzögerung von 30 Sekunden. Sich darauf einzustellen ist Teil der Ballonfahrkunst. Keinesfalls wirft man Sandsäcke ab wie in schlechten Abenteuerfilmen: Das wäre ein höllisch grobes Werkzeug. In der Regel reicht es zum Steigen, wenn man das Gewicht des großen Sandsacks in der Gondel schäufelchenweise reduziert.
Ballast ist das Gold des Ballonfahrers. Hast du sämtlichen Ballast abgeworfen, kannst du nicht mehr steigen – etwa wenn du einen Berg überwinden musst – und die höheren Luftschichten nicht mehr zum Steuern verwenden. Im Notfall bliebe nur noch, Ausrüstung abzuwerfen.

Bloß weil ich bei Red Bull Stratos mit dem Ballon nur one-way fahre, blieb mir die Ballon-Ausbildung nicht erspart.

Es ging los mit dem Befüllen von 25, 30 Sandsäcken, und nach dem vierten habe ich meinem Ballonlehrer versichert, dass ich das System durchaus schon verstanden hätte. Doch er kannte keine ­Gnade: Sandschippen bis zum Ende.

Nächster Schritt war die Kommunikation mit dem Meteorologen, das Um und Auf guter Vorbereitung. Ein Meteorologe kennt die Windverhältnisse in den verschiedenen Höhen. So legst du dir deine Route zurecht, von A nach B und retour oder einen Dreiecksflug. Das sind die drei Grundtypen der Ballonfahrt.

Lesen Sie die ganze Geschichte in der April-Ausgabe des Red Bulletin.

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