Red Bull Flugtag - Luzern 2011

Rekordjagd über dem Vierwaldstättersee

Chanute_Verkehrshaus_3 Red Bull Contentpool

Der Red Bull Flugtag am 3. September im Strandbad Lido in Luzern ist das verrückteste Flugmeeting der Schweiz. Es werden aber nicht nur Phantasiekonstrukte von beschränkter Flugfähigkeit im See landen. Das Team des Verkehrshauses baut ein Fluggerät, dem 70 Meter und damit ein neuer Weltrekord zuzutrauen sind. Das Gleiche gilt für mindestens zwei weitere Crews.

Langsam nimmt «Chanute» Form an. Octave Chanute (1832-1910) war Ingenieur und technischer Wegbereiter der Fliegerei. Das Fluggerät, dass in den Werkstätten des Verkehrshauses entsteht, trägt seinen Namen und geht auf Entwürfe des Pioniers zurück, der selber nie geflogen ist. Chanute wird ein Vierdecker, weniger als 30 Kilo schwer und schon bei knapp 30km/h flugfähig. 70 Meter weit soll er von der sechs Meter hohen Startrampe segeln – so weit wie noch kein Fluggerät an einem Red Bull Flugtag.

Adaptiert hat die Pläne Chanute Henry Wydler, ehemals Konservator Luft- und Raumfahrt des Verkehrshauses. Zusammen mit drei Mitarbeitern und einer Mitarbeiterin des Museums baut er den Gleiter. Seit Wochen schneiden sie Hartschaumplatten und Hohlkammerplastikstücke auseinander und kleben sie zusammen. Viele Stunden Vorarbeit hat der Chefkonstrukteur geleistet. Trotzdem können viele Details erst während des Baus geklärt werden. Der Plan wird laufend verfeinert. Ein pensionierter Aerodynamik-Professor berät ihn in der Formgebung. Der Hochschule Luzern stellt das Verkehrshaus seine Werkstätten zur Verfügung. Dafür darf das Museums-Team dessen Startkatapult mitbenutzen.

Spektakulärer Start
Der Start wird entscheidend sein. Wenn der «Chanute» schnell die stabile Fluglage und den richtigen Gleitwinkel findet, dann kann der 70-Meter-Flug gelingen. Das Startkatapult steht noch nicht und Details können noch keine verraten werden. «Auf jeden Fall werden wir den Flieger nicht auf einer horizontalen Ebene anschieben, wie das bisher fast alle an Red Bull Flugtagen gemacht haben», gibt Wydler doch etwas Einblick. «Die vier Starthelfer werden ihr Körpergewicht einsetzen und den Flieger über Seile anziehen.» Schon der Start wird spektakulär, das steht fest.

Der Take-off am 3. September wird der grosse Moment für Andrea Herzog. Sie wird im Chanute sitzen, wenn er zum Flug über den See ansetzt. Es brauchte etwas Überzeugungsarbeit, bis sie den Pilotensitz annahm. Sie tat es, um ihre Kollegen nicht hängen zu lassen. Kein Wunder – wer gibt schon gerne die Testpilotin in einem Flugzeug aus Isolationsplatten? Und das vor 30'000 Zuschauern! Andrea Herzog baut am Vehikel mit und je weiter dieses gedeiht, desto kleiner wird ihre Skepsis. «Wenn ich sehe, wie minutiös das Projekt geplant ist und wie präzise der Flieger gebaut wird, dann habe ich das Gefühl: Es kann gar nichts schief gehen!» Das trifft sich mit der Zielsetzung Henry Wydlers: «Wir wollen einen sauberen Flug mit einer schönen Landung zeigen.» Vom Weltrekord spricht er nicht, doch die Flugbahn, ja die ganze Physik des Chanute ist auf eine Landung nach 70 Metern ausgelegt. Das sind sieben Meter mehr als die bisherigen Rekordhalter im Sommer 2010 in Minneapolis geschafft haben.

Das Verkehrshaus und weitere Weitenjäger
Wie überall werden die meisten Teams am Red Bull Flugtag mit Objekten an den Start gehen, die weit mehr mit ihrem phantasievollen Design punkten, als mit ihrer Flug-fähigkeit. Im Klartext: die meisten schlagen den kürzest möglichen Weg in den Vier-waldstättersee ein. Die Schönheit des Vehikels und die Originalität der Startshow, bewertet durch eine Prominentenjury, zählt denn auch ebensoviel wie die geflogene Distanz.

Neben dem Verkehrshaus bauen aber mindestens zwei weitere Crews Flugobjekte, welche die Erkenntnisse der Aerodynamik ernst nehmen. Es sind dies «Top Fun», die Lehrlinge des Rüstungsbetriebs Ruag und «Blau Weiss», die angehenden Ingenieure der Hochschule Luzern. Selbst wenn das Verkehrshaus die 70-Meter-Marke knacken sollte, könnte es sein, dass ein anderes Fluggerät noch weiter segelt.
 

Hier gibts mehr zu den Teams Verkehrshaus Luzern Chanute und Top Fun.

 


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