Die Mégavalanche in Alpe d'Huez (F) hat sich mit einer stark modifizierten Strecke neu erfunden und ist doch die Alte geblieben: nämlich die Mutter aller Freeride-Schlachten, von 3300 Meter über Meer über rund 20 Kilometer hinunter auf 1500 Meter über Meer. René Wildhaber hat das Rennen schon sechs Mal gewonnen und stand zwei weitere Male auf dem Podest. Keine Rennstrecke kommt dem ausdauernden Abfahrer so entgegen, wie der Endlos-Trail in den französischen Alpen. Mit seinen Qualitäten ist er allerdings längst nicht mehr allein. Und kein Titel zählt im Downhill Marathon mehr, als der Sieg auf der Alpe d'Huez.
René, wie war die Woche in Alpe d'Huez?
Gut, aber auch stressig. Ich wohnte mit einigen Schweizer Bikern in einem Chalet. In der gleichen Woche war ich auch noch bei Filmaufnahmen dabei und musste das richtige Set-up für die neue Strecke finden.
Und wie ist sie, die Neue?
Der Charakter hat sich ziemlich geändert. Vorher war fast alles Natur. Jetzt ist der untere Teil wie ein Bike-Park mit Anliegern und vielen gebauten Sprüngen. Die Flachpassage ist auf der neuen Strecke viel kürzer.
Und wie war die Strecke am Renntag?
Sie beginnt auf dem Gletscher – von dem übrigens jedes Jahr weniger übrig ist – und kurz nach dem Start führte sie über eine völlig vereiste Traverse, wo Schmelzwasser über Nacht gefroren war. Vor mir rutschte ein Fahrer weg und war gleich zwanzig Meter weiter unten.
War das der schwierigste Teil der Strecke?
Es hat sich wieder gezeigt, dass man hier von der ersten bis zur letzten Sekunde voll konzentriert sein muss, sonst geht es schief. Ausserdem wird hier extrem hart gefightet. Das ist Mégavalaguerre oder MégavalaWar. Bei Massenstürzen steigen gewisse Fahrer einfach über andere hinweg.
Macht es Spass, im Krieg zu fahren?
Solange man vorne einigermassen wegkommt, geht es schon. Aber man sollte schon das Hirn einschalten. Links und rechts von der Strecke sind Steine und Felsbrocken, das ist verdammt gefährlich.
Konntest du dich aus dem Getümmel heraushalten?
Nach dem Start war ich etwa Zwanzigster, konnte dann aber ganz nach vorne fahren. Als ich mit Rémy Absalon um die Führung kämpfte, kam plötzlich der Heli daher geschossen, trieb mich von der Linie und ich stürzte hart auf den Kopf. Ich fuhr dann leicht benommen weiter fiel nochmals hin. Dann sagte ich mir: Jetzt beginnt das Rennen von vorn! Ich hängte mich an Nicolas Vouilloz (zehnfacher Downhill-Weltmeister) und konnte meinen Rhythmus neu finden. In den kurzen Aufstiegen distanzierte ich ihn jeweils leicht und abwärts hielt ich den Abstand. So reichte es schliesslich noch zum dritten Platz.
Du hast Nicolas Vouilloz einen der besten Downhill aller Zeiten geschlagen, jedoch Rémy Absalon und Jérome Clementz ziehen lassen müssen. Bist du zufrieden?
Ja, damit kann ich gut leben. Ich bin froh, bin ich einigermassen gesund geblieben - auch wenn mir alles weh tut.
Früher hast du die Mégavalanche in Serie gewonnen. Jetzt bist du auf Ehrenplätze abonniert. Kannst du auf Alpe d'Huez noch gewinnnen?
Ich war zwischendurch in Führung. Von daher würde ich sagen, ja. Ich muss mir aber für die Aufstiege etwas überlegen. Ich glaube, ich brauche einen Lock-out um die Federung blockieren zu können. Entscheidend ist: ich bin immer noch hungrig auf den Sieg.
Rangliste Mégavalanche
1. Rémy ABSALON 0:42:32
2. Jérôme CLEMENTZ 0:43:19
3. René WILDHABER 0:43:30
4. Nicolas VOUILLOZ 0:43:31
5. Karim AMOUR 0:44:40
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen