Red Bull Flying Bach

Vartan Bassil: «Die ganze Welt spricht dieselbe Sprache»

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Red Bull Flying Bach zu Gast in Zürich: Vartan Bassil, Choreograph und Tänzer, beantwortete uns am Freitag nach der geglückten Schweizer Premiere einige Fragen zu diesem aussergewöhnlichen Tanzprojekt.

Vartan, soeben ist die Show in Zürich zu Ende gegangen. 75 Minuten Power und Präzision. Wie lange hättet Ihr noch weitertanzen können?
Wir hätten schon noch ein paar Kraftreserven gehabt. Bei der Entwicklung dieser Show haben wir gelernt unsere Kräfte einzuteilen. Am Anfang hätten wir nie gedacht, dass wir überhaupt eine ganze Stunde schaffen können. Wir haben uns das dann aber ganz gut eingerichtet. Jetzt gehen wir zwar immer wieder an unsere Grenzen, haben danach aber Zeit uns kurz zu erholen.

Zuletzt gab’s eine Zugabe: Nach der Standing Ovation des Publikums, hat jeder noch mal ein paar Moves ausgepackt. War das geplant?
Na, wenn das Publikum immer so gut abgeht, ist das bei uns Brauch, dass man noch mal ne kleine Zugabe gibt. Nun ist es aber so, dass bei Flying Bach bis jetzt jede Show ein Erfolg war. Deshalb haben wir unsere Zugabenrunde nun zum Ritual gemacht.

Hast Du Unterschiede zwischen den verschiedenen Stationen Eurer Tournee feststellen können?
Nein, nicht gross. Das ist ja das Schöne: Red Bull Flying Bach kommt überall gleich gut an. Es geht um Musik und Tanz, und das versteht jeder. Schon an der Uraufführung in Berlin hatten wir die erhofften Reaktionen. Es wurde an den richtigen Stellen gelacht, an den richtigen Stellen geklatscht, an den richtigen Stellen geträumt. Von da her kann man nicht sagen, die Schweizer sind anders als die Dänen oder so. Die ganze Welt spricht in dieser Hinsicht dieselbe Sprache.

Was sollen die Zuschauer von Red Bull Flying Bach mitnehmen?
Dass Breakdance viel mehr ist als nur eine Strassenkultur. Es ist mittlerweile eine richtige Kunstform. Es wäre schön, wenn die Zuschauer sich sagen: «Das war ein toller Abend! Wir haben Breakdance mal aus einer ganz anderen Perspektive gesehen.» - Und das hat hoffentlich zur Folge, dass sie verständnisvoll reagieren, wenn ihr Kind später zu ihnen sagt: «Papa, ich will Breakdance lernen.» Genau auf dieses Umdenken arbeiten wir hin.

Sehr spannend sind die Szenen, in denen sich die einzelnen B-Boys an die klassische Tänzerin annähern. Wie habt Ihr diese Szenen erarbeitet?
Die Ursprungsidee war ja Breakdance auf Klassik zu bringen. Dann hab ich den Operndirigenten Christoph Hagel kennen gelernt. Der hat dann vorgeschlagen: Lass uns das auf «Das Wohltemperierte Klavier» von Johann Sebastian Bach machen. Das würde gut passen. Wir wollten dann in jedem Fall auch eine klassische Tänzerin haben, damit man den Kontrast und die Annäherung zeigen kann. Uns hat die Frage beschäftigt: Wie kann man die Brücke schlagen zwischen dem klassischen Tanz und Breakdance. Der Rest kommt eigentlich mit der Musik: Wenn man als B-Boy seine Bewegungen der klassischen Musik anpasst, dann kommt man fast schon in die Nähe von Ballett – nur dass die zeitgenössische Tänzerin ihre Pirouetten eben auf den Füssen macht und wir auf dem Kopf oder auf den Händen.

Und wie kamen die einzelnen Paarungen zustande?
Das war einfach. Wir haben schlicht darauf geachtet, welcher Tänzer welche Stärken hat. Ich kenne meine Jungs ja nun mittlerweile in- und auswendig. Ich wusste genau: Der Eine kriegt die Liebesnummer, der Andere kriegt die Rolle des Trösters, der Dritte macht was Witziges. Die Tänzerin war sehr mutig und neugierig. Die hat alles mit sich machen lassen. Mit ihr zu arbeiten, war toll.

Was nimmst Du sonst als Erfahrung von Red Bull Flying Bach mit?
Vor allem den Mut neue Sachen anzupacken. Das Projekt hat uns gezeigt, dass wir als Tänzer eigentlich mit allen Arten von Musik zurechtkommen können. Dass wir mehr können, als wir uns für gewöhnlich zutrauen. Das Projekt war für uns am Anfang ja auch ein Risiko. Wir wussten nicht, wie die hartgesottenen Klassikfans und die alten B-Boys auf so etwas reagieren. Schlussendlich konnten wir beide Szenen überzeugen. Das öffnet viele Türen. Dadurch kommen andere Theater- und Tanzhäuser vielleicht wiedermal auf die Idee was mit Breakdancern zu machen.

Tut Dir jetzt, nach 75 Minuten vollstem Köpereinsatz, eigentlich irgendwas weh?
Ich hab zurzeit leider Knieprobleme. Der Meniskus ist gerade problematisch. Aber eigentlich bin ich topfit. Kleine Wehwehchen gehören einfach dazu. Schliesslich betreiben wir Hochleistungssport. Das kann man nicht ewig machen.
 



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