Man sagt, dein Siegesdurst sei unstillbar.
Natürlich will ich gewinnen. Aber es beschäftigt mich nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem du mich in die Half Pipe gibst. Dieses Gewinn-Ding passiert erst in der Hitze des Wettkampfes. Ich versuche mir selbst die Werkzeuge zu geben, um konkurrenzfähig zu bleiben. Im Moment lerne ich neue Tricks.
Hast du auch mal Angst vorm Verlieren?
Ich habe auch schon unvorbereitet an Events teilgenommen. Das ist das schlimmste Gefühl auf der Welt. Es ist widerwärtig, wenn du zurückliegst und denkst: „Ich kann diese Person nicht schlagen. Ich habe kein Ass im Ärmel.“ Ich habe mir geschworen, das nie mehr zu machen.
Was tust du, um dein Training zu optimieren?
Was die Verbesserung des Trainings anbelangt, hat ein Bekannter einmal gemeint, unser Sport besteht zu 70 Prozent aus mentalen und zu 30 Prozent aus physischen Fähigkeiten. Die mentalen Fähigkeiten sind sicher ein grosser Part. Du musst von dem, was du tust, begeistert sein. Deshalb hat dieses Silverton Halfpipe-Ding (gemeint ist die Red Bull-Halfpipe in Silverton, Colorado, Anm.) so gut funktioniert. Es war Training kombiniert mit Spass und Erfindungsgeist. Und ein grosser Event wie Olympia pusht das Ganze noch zusätzlich.
Fühlt man sich als Olympionike ein wenig erwachsener?
Eine Medaille für mich und die Vereinigten Staaten zu gewinnen, wäre grossartig. Ich bin noch stolzer, hinzugehen und mein Land zu vertreten, als ich es vorher war. Ich habe erst nach meiner Olympia-Goldmedaille 2006 in Turin ganz verstanden, was das heisst. Für mich, meine Familie und die Leute um mich herum. Es war ein Wendepunkt in meiner Karriere. Das ganze geschäftliche Zeug, das ich machen wollte, wurde viel einfacher. Eines ergab plötzlich das andere.
Besteht die Gefahr, abzuheben?
So viele Menschen verlieren den Blick für das, was sie in diese Position gebracht hat. Ich glaube nicht, dass ich eine Person bin, die den Ball aus den Augen verliert. Ich bin ein Snowboarder. Natürlich mag ich es, Klamotten und Videospiele zu machen, aber es ist das Snowboarden, das es mir erlaubt, diese Dinge zu machen.
Geht es dir jetzt anders als vor deinen ersten Olympischen Spielen?
Ja und nein. Im Mainstream-Sport stand ich damals nicht im Rampenlicht. Aber in unserem Sport war ich der unbesiegte Typ. Wenn sich der Druck jetzt erhöht, ist das gut. Um ehrlich zu sein: Ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht in dieser Position war. Ich kann mich nicht daran erinnern, bei einer Competition nicht der Gejagte gewesen zu sein. Deshalb ist die Belastung jetzt nicht grösser.
Es muss ein verrücktes Gefühl für Typen wie dich sein, bei Olympia teilzunehmen. Ist die Stimmung dort nicht anders als in deiner Szene?
Beim letzten Mal bin ich irgendwie ausgeflippt. Die anderen US-Rider sind mehr auf Hip Hop abgefahren und haben diese Baggy-Kleidung getragen. Da waren überall Kameras und Leute, die Fragen gestellt haben, während ich mein Zeug bekommen habe. Ich habe aber nicht viel darüber nachgedacht.
Du hast die Baggy-Sachen auch angezogen?
„Ja klar, gib mir eines in Medium”, habe ich gesagt. „Ich werde eines in Large nehmen, wie auch immer.“ Und dann musste ich diese ganzen monströsen Baggy-Sachen anziehen und sah irgendwie verrückt aus. Und ich weiss, es ist falsch, aber ich habe mich überhaupt nicht in meinem Element gefühlt. Es war verrückt. Und es gibt bei Olympia diesen speziellen Benimm-Code. Du willst definitiv nicht die ganze Zeit herumfahren und Streiche spielen oder so was. Aber die Medien haben über uns gesprochen, als würden wir nur Partys feiern. In Wirklichkeit war unser Bewerb einer der ersten, der ablief; und jeder von uns war konzentriert.
Nach all deinem Training, bist du zuversichtlich?
Offensichtlich kann man nicht alles kontrollieren und es ist ein Event, das von einer Jury bewertet wird. Du musst es einfach durchziehen. Es ist schön, dass so etwas Grosses auf dich zukommt und du fünf neue Tricks auf Lager hast, die niemand zuvor gemacht hat.
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