Nick Beer

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«Ich bin ein Vollblut-Racer»

Nick Beer ist, was er immer werden wollte: Downhill-Profi. Um dorthin zu kommen musste er erstmal unten durch.

Im Frühling 2000 ist es soweit. Nick Beer, 12 Jahre alt, darf endlich sein erstes Downhill-Rennen fahren. Es ist ein lokales Rennen am Homberg unweit von Interlaken, wo die Familie Beer wohnt. «Ich fuhr ein Bike ohne Hinterradfederung und es schneite. Aber mein Bruder Marcel und ich, wir fuhren sowieso bei allen Verhältnissen und wir wollten beide nichts Anderes als Downhill-Rennen fahren», erinnert sich der Berner Oberländer.

Bis dahin habe die Beers vor allem Cross Country-Rennen und Marathons bestritten. Nick und die beiden älteren Geschwister Daniela und Marcel begleiten die Eltern an die Wettkämpfe und fahren selber durch sämtliche Altersklassen. In seiner ersten Downhill-Saison wird Nick Fünfter der Junioren-Schweizermeisterschaften und gewinnt die Gesamtwertung einer Dual- und 4Cross-Serie. Seine Cross-Country-Resultate werden schlagartig schlechter.

Snowboarden und Skifahren, Schlagzeug spielen und die Lehre als Polymechaniker sind wichtig. Aber schon als Teenager organisiert Nick sein Leben um seine Downhill-Rennen herum. Seine Ferien opfert er vollständig den Schweizer und internationalen Rennen. «Das war kein Opfer», korrigiert er, «die Rennen waren meine Ferien!» Immerhin ein halbes Jahr hält er es an der Werkbank aus. Danach arbeitet er nur noch in der Rennpause im Winter bis er schliesslich einen Profivertrag erhält.

Ein Jahr an Krücken
Zu dem Zeitpunkt hat er schon ein paar Hochs und Tiefs seiner Karriere hinter sich. Drei Jahre nach seinem ersten Downhill-Rennen wird er Junioren-Schweizermeister und fährt seine ersten Weltcup-Rennen. Mit siebzehn will Nick an die Spitze. Und zwar sofort. «In der Juniorenzeit macht man am schnellsten Fortschritte und profitiert am meisten». Dazu gehört ein offensiver Umgang mit den Gefahren der Strecken. Beim Weltcup in Les Deux Alpes geht er in einer Hochgeschwindigkeitspassage über den Lenker. Sein linker Oberschenkelhals ist zertrümmert. Es folgen vier Operationen und ein Jahr an Krücken. Nicks linkes Bein ist seither 2.5 Centimeter kürzer als das rechte, die Beweglichkeit ist eingeschränkt. «Joggen kann ich nicht mehr.» Den Verlust kann er verschmerzen.

Seine Zukunft als Rennfahrer hängt an Titanschrauben in seinem Bein. Zwei Jahre nach dem Unfall fährt er wieder ein Rennen. «Ich wollte mich nur wieder herantasten. Es ging mir überhaupt nicht darum, schnell zu sein.» Das gelingt nicht wirklich. Der Berner Oberländer gewinnt in seiner Comeback-Saison die Gesamtwertung des iXS Downhill Cup. Von da an geht es auch im Downhill Weltcup stetig aufwärts. In der Schweiz hat er kaum noch Gegner. Sein Bruder ist einer der letzten, der sein Tempo mitgeht.

Die Rennwochenenden haben nichts an Faszination eingebüsst: die Strecke besichtigen, mit anderen Fahrern Linien diskutieren, sich an die Schlüsselstellen herantasten. Der Kampf um Hundertstelsekunden ist, was ihn reizt. «Ich bin ein Vollblut-Racer.» Nie ist sein Vergnügen grösser als am Limit. «Ich bin mittlerweile erfahren genung, um abzuschätzen, wie gross das Risiko einer bestimmten Linie ist und ob es sich lohnt oder nicht.» In einem Winter, als er längst Weltcup-Profi ist, steht er an 55 Tagen auf Ski und Snowboard. Am letzten Tag bricht er sich im Park das Handgelenk. Das war's mit dem intensiven Schneesport. Dem Vollblut-Racer braucht niemand zu sagen, dass er sich besser aufs Bike konzentriert.